Biografiearbeit. Mädchen und Jungen entdecken ihre Geschichte, Vorwort

Mit freundlicher Genehmigung des
Juventa Verlag, Weinheim

Vorwort

Wir gestalten seit vielen Jahren mit Eltern, Pflege- und Adoptiveltern sowie Fachkräften der Jugendhilfe Seminare zum Thema Biografiearbeit mit Kindern und Jugendlichen. Dabei werden wir oft mit wiederkehrenden Fragen, Unsicherheiten und Konflikten konfrontiert, die in der praktischen Arbeit mit dem Kind oder seiner Herkunftsfamilie auftreten. Da es im deutschsprachigen Raum erst wenig Literatur zum Thema gibt, entstand die Idee, dieses Buch über Biografiearbeit mit Kindern und Jugendlichen zu verfassen, in dem die Grundlagen und vor allem die Praxis bis ins Detail dargestellt werden.  

Wer bin ich? Wo komme ich her? Wem gleiche ich? Wer ist meine leibliche Familie? Warum musste ich fort? Warum lebe ich hier? Was wird aus mir? So lauten (manchmal unausgesprochene) Fragen von Kindern und Jugendlichen, die von Eltern oder Elternteilen getrennt leben. Durch Biografiearbeit bekommen sie die Chance, ihre Geschichte und ihre aktuelle Lebenssituation zu verstehen. Seelische Energie wird frei für andere Entwicklungsaufgaben.

Der vorliegende Band umfasst zwei Teile. Im ersten Teil Grundlagen erörtern wir die Anfänge und Hintergründe von Biografiearbeit. Wir beschreiben die Zielgruppen, in welchem Alter sich welche Methoden eignen und besprechen die zentralen Themen, die bei den betroffenen Mädchen und Jungen ständig latent oder offen präsent sind (Bedeutung der Familie, Identitäts- oder Loyalitätskonflikte). Wir gehen auf Kontexte und Rahmenbedingungen ein und benennen die Kompetenzen der Bezugsperson, die für das Gelingen der Biografiearbeit Voraussetzung sind. Auch geben wir Hinweise für den Einbezug der Herkunftsfamilie in die Biografiearbeit. Der zweite Teil Praxis enthält Anregungen für die konkrete Arbeit: Vorüberlegungen, Checklisten, niedrig dosierter Beginn, die Gestaltung eines Lebensbuches (auch in Gruppen) bis hin zu konkreten Formulierungsvorschlägen bei schweren Themen, wie z.B. psychisch kranke Eltern, Gewalt oder Misshandlung oder dem Umgang mit fehlenden Informationen (unbekannter Vater, Findelkind).

Nicht immer konnten wir Grundlagen und Praxis genau voneinander trennen. So gibt es im Teil 1 zahlreiche Praxishinweise und im Teil 2 weitere grundsätzliche Erörterungen, wenn es die Themen erforderten.

Den Begriff Kinder benutzen wir synonym für Kinder und Jugendliche. Von Jugendlichen sprechen wir nur dann, wenn sie explizit gemeint sind. Wir haben versucht, Männer und Frauen in den Geschlechterformulierungen gleichermaßen anzusprechen. Bei den Literaturangaben haben wir in der Regel das Datum der neuesten Auflage genannt; manchmal haben wir Zitate älteren Ausgaben entnommen und dies so angegeben.

Bei der Entstehung dieses Buches haben viele Menschen mitgewirkt. Die Kapitel sind immer wieder illustriert mit Beispielen aus unserer Arbeit, die zum Teil aus Datenschutzgründen verfremdet wurden. Übereinstimmungen in Beispielen sind rein zufällig, da diese Themen viele Familien betreffen.

Wir danken sehr herzlich den Müttern, die uns ihre Lebensbriefe gaben, den Adoptiveltern Mainitz für das Lebensbuch ihrer Tochter Sarah Maria, den vielen Kindern (und Eltern) für die Erlaubnis zum Abdruck von Zeichnungen und Dokumenten und allen, die uns ihre Ideen, Vorlagen und Anregungen zur Verfügung stellten.

Unser besonderer Dank gilt den Autorinnen und Autoren des Kapitels II, 7 (Berichte aus der Praxis): Irene D., Irenes Kinderdorfmutter, Wilhelm Hirtl, Edith Engelhart-Haselwanter, Karin Mohr, Klaus ter Horst, Ingrid Erlmoser und Viorica Tudor, die unsere Begeisterung für die Biografiearbeit mit Kindern teilen. Kritisch gelesen, für uns gezeichnet, fachlich und technisch unterstützt haben uns Stephan Baas, Birgit Gutting, Martin Müller, Hanne und Lena Lattschar, Eva Ris, Gertraud und Otto Salmen. Ein herzliches Dankeschön gilt Lukas (geboren am 8. Juli 2006), der es nicht so eilig hatte, auf die Welt zu kommen und seiner Mama (Birgit Lattschar) viel Zeit ließ, an diesem Buch zu arbeiten.

Birgit Lattschar und Irmela Wiemann im Oktober 2006



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